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Mit  Musik auf die Heuwiese

Erntezeit  früher: sie dauerte meist vier Wochen und verlangte den Bauern viel ab 

Heuernte früher: Das hieß vier bis sechs Wochen schuften, hoffen und bangen und schließlich "ein Kreuz schlagen". Der Dank galt dem Schöpfer, der eigene Fleiß wurde nicht erwähnt. Schweißtreibend war die Arbeit des Landwirtes, ehe nach dem Krieg die ersten Traktoren zum Einsatz kamen. 

Bis  in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts war die Heuarbeit Handarbeit. Mühselig das Mähen, endlos lange die Wende- und Dreharbeit und arbeitsaufwändig der Heimtransport. So dauerte früher der Heumonat nicht einige Tage, sondern  mehrere Wochen. Auftakt der Heusaison war früher "um den Pittischdaach", also um  den Festtag "Peter und Paul" am 29. Juni.

Vor  Jahrhunderten waren auf den grundherrischen Wiesen viele Leute aufgeboten, um bei gutem Wetter schnell die Ernte einfahren zu können. Hart und mühsam blieb die Arbeit des Landmannes bis in das 20. Jahrhundert, als erste Traktoren mit  Mähbalken und Heuwender Einzug hielten. Um sich die Arbeit angenehmer zu  gestalten, gab es auf großen Wiesen Musikanten, die zur Unterhaltung aufspielten. In mehreren Quellen ist die Rede, wie Flöten- oder Geigenspieler die Schnitter bei ihrer monotonen Arbeit begleiteten.

 Bei der  Einführung neuer Techniken hatte das Spielen und Singen ein jähes Ende. Aus Niederweis(Eifelkreis Bitburg-Prüm) ist belegt, dass das "Heusingen" mit dem Einzug der ersten Mähmaschine im Jahre 1884 aufgegeben wurde. Bis dahin war das Grasschneiden mit der Sense üblich, vielfach waren es mehrere Schnitter, die "im Takt" die Sense schwangen - eine mühselige Arbeit.

Gerd Zimmer (64) aus Bitburg erinnert sich, wie er in den 50er Jahren in Betteldorf (Vulkaneifelkreis) als Kind in der Heuernte  mitwirkte. "Vier bis fünf Wochen wurde geschuftet, erst gemäht, dann  ausgestreut, abends zusammengeschlagen und gehopt. War das Heu trocken, wurde es  mit einem Leiterwagen per Kuhgespann zur Scheune gefahren", weiß Zimmer. Aus Pronsfeld (Eifelkreis Bitburg-Prüm) berichtet Peter Schröder (81), dass es frühmorgens galt, "nach dem Wetter zu sehen und das Heu auszuspreden". Am Tag wurde es mehrfach gewendet: "Zumeist am Mittag und am  Nachmittag". Die Heuwiesen lagen "In der Laach".

Beim Mähen bildete sich eine Grasreihe ("Strepp"), die je nach Wetter alsbald gewendet und abends "gehopt", also auf den Haufen aufgesetzt wurde, wodurch man ein besseres Trocknen erreichte. Zum Einbringen wurden die Bauernwagen  umgerüstet und mit einem "Wiesbaum" versehen, der die Heuladung bei der Heimfuhr  zusammenpresste.

Franz  Stroh (79) aus Monzel (Kreis Bernkastel-Wittlich) hatte bis in  die 80er Jahre einen Bauernbetrieb in Wengerohr. Er selbst hat noch als Jugendlicher die Sense geführt. "Noch vor dem Krieg erhielten wir eine Mähmaschine, die von Ochsen gezogen wurde", erinnert sich der Ex-Landwirt. Mit dem Leiterwagen erfolgte die Heimfuhr: "Ein Doppelgespann Ochsen zog, der  Leiterwagen mit Holzrädern wurde eigens verlängert für den Transport". Seine  Heuwiesen lagen auf der "Drieschwies" und dem ehemaligen  Flugplatz.

EXTRA

Bauernregeln im Juni/Juli

Regnet's an Sankt Peters' Tag,
drohen dreißig Regentag.

Was  im September soll geraten,
muss schon im Juni braten. 

Wie  die Hundstage beginnen,
ziehen sie wieder von hinnen.

Wettert  der Juli mit großem Zorn,
bringt er dafür reichlich Korn.  

 

 

HINTERGRUND

Erntefeste

Ernte(dank)feste kennen alle Regionen Deutschlands. An der Mosel waren und sind Weinfeste bis heute Tradition, Sommer-Erntefeste kennt man nicht. In der Eifel hat sich das Erntedankfest fest etabliert. Erntefeste nach dem "Heumonat" gibt es nicht, wohl aber Helfer- und Sommerfeste. Vielfach entwickelten sich auch Tanz- und Singfeste. Nach der Heuernte zog man vielerorts singend und spielend auf den  Dorfplatz, um zu feiern. Sommer-Kirmessen orientieren sich dagegen mehr an den  Kirchenheiligen oder Kirchweihen und haben nichts mit der Erntezeit zu tun.

Joachim Schröder - Mühlenweg 14 - 54597 Pronsfeld - Telefon 06556 - 7311 - e-Mail: info@joachim-schroeder.com